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Ἀρχική σελίς
Ἀρχική σελίς

Ansprache
Des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios
beim Abendessen
Tübingen, 30.05.2017

Ἐπιστροφή
Ἐπιστροφή

Spektabilität,
Verehrte Professorinnen und Professoren,
Sehr geehrte Damen und Herren,

In tiefer Verbundenheit wenden wir uns in dieser feierlichen Stunde an die Repräsentanten der Evangelisch-theologischen Fakultät der Universität Tübingen, um unseren aufrichtigen Dank zum Ausdruck zu bringen für die hohe Ehre der Verleihung des Ehrendoktortitels, für den herzlichen Empfang, die Philoxenia und für die Freude der Begegnung von Angesicht zu Angesicht.

„Tübingen“ ist für die Orthodoxen ein Symbol für den Geist des Dialogs, für den Mut zur Offenheit, für die Vision der Einheit aus Treue zum Evangelium. Wir gedenken mit Ehrfurcht aller jener württembergischen Protagonisten der Kontaktaufnahme mit der Kirche von Konstantinopel. Zusammen mit dem Patriarchen Jeremias Tranos legten sie die festen Fundamente, auf denen wir heute noch bauen können.

Die Eberhard-Karls-Universität Tübingen ist ein Ort des Austausches von Ideen, ein Hort des Dialogs, „eine Stadt, die auf einem Berg liegt“ (Mt. 5, 14), mit breiten und offenen Horizonten. Die vielen orthodoxen Theologen, die hier studiert haben, sind Träger dieses Tübinger Geistes. Sie spielten und spielen in ihren Kirchen eine wichtige Rolle als Wissenschaftler und Ökumeniker. Es ist erforderlich, dass unsere Theologen, neben ihrer eigenen Tradition, auch die anderen großen christlichen Traditionen und Theologien kennen. Das erweitert die Horizonte und eröffnet den Blick für den gemeinsamen Reichtum der Christen und für eine neue Einschätzung des Eigenen.

Das zwanzigste Jahrhundert war eine Zeit mutiger ökumenischer Initiativen. Durch die großen kirchlichen Gestalten auf beiden Seiten, durch unsere theologischen Gespräche, durch gemeinsame Aktionen angesichts der Herausforderungen der Zeit, durch die persönliche Begegnung, haben wir unsere gemeinsamen christlichen Archetypen, den Wert der Treue zu der Tradition der alten ungeteilten Kirche, des von unseren Vätern im Glauben gebauten Hauses, entdeckt.

In Deutschland ist die Geschichte und die Gegenwart der Griechisch-Orthodoxen Metropolie ein Zeugnis gelebter christlicher Ökumene, gegenseitigen Respekts, guter Beziehungen und fruchtbarer Zusammenarbeit mit der Evangelischen Kirche in Deutschland. Die Solidarität der EKD mit den griechisch-orthodoxen Einwanderern, der „Dialog des Lebens“ und die ökumenische Verständigung sind ein bedeutendes Kapitel in der Geschichte der Begegnung von Reformation und Orthodoxem Christentum im Lande der Reformation. In ihrem großen Lande waren die ökumenischen Bemühungen reichlich fruchtbar. Endgültig, gehört zur ökumenischen Landschaft hierzulande auch die Orthodoxe Kirche. Im Namen des Ökumenischen Patriarchats und des Metropoliten von Deutschland Augoustinos drücken wir unseren aufrichtigen Dank aus für den Geist der christlichen Geschwisterlichkeit.

Wir denken oft an die neue Generation der Christen, die berufen sind, das in der Ökumene Erreichte zu bewahren, weiterzutragen und weiter zu entfalten, mit neuem Elan und mit Treue zur Wahrheit des Evangeliums. Sie werden in schwierigen Zeiten die Verantwortung zu tragen haben für das Zeugnis der Kirche in der Welt angesichts der Zeichen der Zeit, für den Glauben an Gott, der Liebe ist, -„ὁ Θεὸς ἀγάπη ἐστί“ (1 Joh. 4, 7)-, für Versöhnung und Frieden, für die Negation der tagtäglichen Negationen des Menschen und seiner Würde, für die Verwirklichung jener gottgegebenen befreiten Freiheit und ihren Schutz vor dem Ansturm der anderen modernen und postmodernen selbstzentrierten Freiheiten. Möge der heilige Gott, „an dem und an dessen Erbarmen alles liegt“ (vgl. Röm. 9, 16), ihr Engagement segnen und sie beschützen.

Liebe Brüder und Schwestern in Christus,

Die größte theologische Potenz des Westens im letzten Jahrhundert, Karl Barth, hat den österlichen und freudigen Charakter des Glaubens und des Lebens in der Kirche des Ostens besonders geschätzt und die Notwendigkeit der ausdrücklicheren Entfaltung einer theologia gloriae im Abendland, -„für uns betrübte Abendländer“-, wie Karl Barth in der Kirchlichen Dogmatik sagt, hervorgehoben.

Wir Orthodoxe leben die Freude, die Kraft und die Herrlichkeit der Auferstehung nicht nur in jeder eucharistischen Liturgie, welche in sich ein eschatologisches Geschehen ist und immer einen festlichen, lichtvollen Charakter hat, sondern wir sind österlich bestimmt und gesinnt in allen Dimensionen des Lebens. Das wird auch durch die zentrale Stelle der Ikonen in unserer kirchlichen und persönlichen Pietät dokumentiert, auf denen die abgebildeten Personen und die Welt in ihrer erlösten Gestalt erscheinen.

Wir haben Ihnen, Herr Dekan, aus dem Phanar eine  Christusikone mitgebracht als Erinnerung an die erlebten Freuden bei dieser besonderen Gelegenheit. Das Christusbild ist die „Ikone der Ikonen“. Sie vergegenwärtigt unsere Erlösung in ihrer eschatologischen Vollendung.

Wir wünschen Ihnen allen eine gesegnete Feier des Jubiläums der Reformation, jener Bewegung zur Aktualisierung des ursprünglich Christlichen im Westen, welche tiefe Spuren hinterlassen hat in Kirche und Kultur und auch in der Geschichte der Menschheit. Wir beten, dass unser Erlöser, der menschgewordene Logos Gottes, „der Weg, die Wahrheit und das Leben“ (Joh. 14, 6), seine Kirche hegt und behütet, als die Vorwegnahme jener höchsten Freiheit, welche den Kindern Gottes und der ganzen Schöpfung „mit der künftigen Herrlichkeit“ geschenkt wird (Röm. 8, 21).

Ein Dankeschön aus ganzem Herzen!