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Ἀρχική σελίς
Ἀρχική σελίς

Patriarchale und Synodale Enzyklika zum Herrntag der Orthodoxie (21. Februar 2010)

Ἐπιστροφή
Ἐπιστροφή

Protokoll-Nr. 213

+ Bartholomaios

durch Gottes Erbarmen Erzbischof von Konstantinopel, dem Neuen Rom,
und Ökumenischer Patriarch dem ganzen Volk der Kirche
Gnade und Friede von Christus, unserem Erlöser,
von uns aber Fürsprache, Segen und Vergebung


Unsere heilige orthodoxe Kirche feiert heute ihr eigenes Fest, und die Mutterkirche von Konstantinopel erteilt von ihrem historischen und durch das Zeugnis des Glaubens bewährten Sitz, unserem Ökumenischen Patriarchat, all ihren gläubigen und der Kirche ergebenen geistlichen Kindern in der ganzen Welt ihren Segen, versichert sie ihrer Sorge und Liebe und lädt sie ein, das Fest in geistiger Verbundenheit mit ihr zu begehen.

Der Name des Herrn sei gepriesen! Alle, die es im Ablauf der Jahrhunderte unternommen haben, die Kirche durch vielfältige offenkundige und verborgene Verfolgungen auszulöschen, sie durch Häresien zu entstellen, sie zum Schweigen zu bringen und ihrer Stimme und ihres Zeugnisses in der Welt zu berauben, sind gescheitert. Die Wolken der Märtyrer, die Tränen der Väter und die Gebete der Heiligen beschirmen sie geistig und beschützen sie, während der Tröster, der Geist der Wahrheit, sie in alle Wahrheit einführt.

Im Bewusstsein seiner Verpflichtung und seiner Verantwortung setzt sich das Ökumenische Patriarchat, das unter den autokephalen orthodoxen Kirchen den ersten Rang innehält, dafür ein, die Einheit der orthodoxen Kirche trotz aller Hindernisse und Schwierigkeiten zu bewahren und zu festigen, damit der orthodoxe Glaube unserer Väter wie zu jeder Zeit, so auch heute mit einem Mund und mit einem Herzen bekannt werde. Denn die Orthodoxie ist kein musealer Schatz, der nur konserviert werden müsste, sondern Atem des Lebens, der weitergegeben werden muss, um die Menschen lebendig zu machen. Die Orthodoxie ist immer aktuell, vorausgesetzt, dass wir sie in Demut verkünden und sie auslegen im Hinblick auf die Fragen und existentiellen Nöte des Menschen einer jeden Epoche in seinem kulturellen Kontext.

Zu diesem Zweck muss sich die Orthodoxie in einem dauernden Dialog mit der Welt befinden. Die orthodoxe Kirche fürchtet den Dialog nicht, ebenso wie auch die Wahrheit ihn nicht fürchtet. Im Gegenteil: Wenn sich die Orthodoxie in sich selbst verschließt und das Gespräch mit den Außenstehenden verweigert, wird sie nicht nur ihrer Sendung untreu, sondern sie wird sich von jener „katholischen“ und „über die Ökumene ausgebreiteten“ Kirche, die sie ist, in eine introvertierte und selbstgenügsame Sekte, in ein „Ghetto“ am Rande der Geschichte verwandeln. Aus diesem Grund haben die großen Väter unserer Kirche den Dialog mit der geistigen Umwelt ihrer Epoche nie gefürchtet, nicht einmal den mit den die Götzen anbetenden Philosophen ihrer Zeit, und haben auf diese Weise die Kultur ihrer Epoche beeinflusst und gestaltet und uns eine wahrhaft ökumenische Kirche überliefert.

Ebendiesen Dialog mit der Außenwelt fortzuführen, ist die Orthodoxie auch heute berufen, um wiederum ihr Zeugnis zu geben und damit zugleich auch den lebenspendenden Atem des Glaubens zu verbreiten. Dieser Dialog kann aber nicht zu denen, die draußen sind, gelangen, wenn er nicht zuerst von denen getragen wird, die den Namen „Christen“ tragen. Es ist notwendig, dass zunächst wir Christen miteinander sprechen und unsere Differenzen ausräumen, damit unser Zeugnis gegenüber der Außenwelt glaubwürdig sei. Das Bemühen um die Einheit der Christen ist der Wille und das Gebot des Herrn, der vor seinem Leiden zum Vater gebetet hat, „dass alle (seine Jünger) eins seien, damit die Welt glaube, dass Du mich gesandt hast“ (Jo 17,21). Es ist nicht möglich, dass der Herr sein Leben für die Einheit der Christen gibt und wir demgegenüber indifferent bleiben. Das wäre ein verbrecherischer Verrat und ein Bruch seines Gebotes.

Aus ebendiesen Gründen führt das Ökumenische Patriarchat mit Zustimmung und Teilnahme aller orthodoxen Ortskirchen seit vielen Jahrzehnten offizielle panorthodoxe theologische Dialoge mit den größeren christlichen Kirchen und Bekenntnissen. Zweck dieser Dialoge ist es, alle die Christen voneinander trennenden Unterschiede, seien es Unterschiede des Glaubens, der Organisation oder des Lebens der Kirche, im Geist der Liebe zu diskutieren.

Diese Dialoge und jegliches Bemühen um friedliche und brüderliche Beziehungen der orthodoxen Kirche zu den anderen Christen bekämpfen gegenwärtig leider, und das mit einem für das orthodoxe Ethos unakzeptablen Fanatismus, gewisse Kreise, die für sich selbst den Titel des Eiferers und des Verteidigers der Orthodoxie exklusiv in Anspruch nehmen – als ob alle Patriarchen und Synoden der orthodoxen Kirchen, die einstimmig beschlossen haben, diese Dialoge zu führen, und sie unterstützen, nicht orthodox wären. Die Feinde jedes Versuches einer Wiederherstellung der Einheit unter den Christen erheben sich selbst über die Bischofssynoden der Kirche und nehmen dabei die Gefahr von Spaltungen innerhalb der Orthodoxie in Kauf.

Jene, die versuchen, die Wiederherstellung der Einheit der Christen zu kritisieren, haben keine Hemmungen, in ihrer Polemik die Wirklichkeit zu verdrehen, um das gläubige Volk irrezuführen und aufzuwiegeln. So verschweigen sie den Sachverhalt, dass die theologischen Dialoge auf der Basis der einstimmigen Entscheidung aller orthodoxen Kirchen durchgeführt werden, und greifen ausschließlich das Ökumenische Patriarchat an. Sie verbreiten fälschlich, die Vereinigung der römisch-katholischen mit der orthodoxen Kirche stehe unmittelbar bevor, während sie doch wissen, das die Unterschiede, die im theologischen Dialog zwischen diesen Kirchen diskutiert werden, noch zahlreich sind und dass dieses Gespräch einen langen Zeitraum erfordert; ebenso dass Bischofssynoden und nicht die die Dialoge führenden Kommissionen über die Einheit befinden werden. Sie behaupten, der Papst werde sich die Orthodoxen unterwerfen, weil diese mit den Katholiken in einen Dialog eingetreten sind! Sie klagen alle, die diese Dialoge führen, als „Häretiker“ und „Verräter“ der Orthodoxie an, und das aus keinem anderen Grund als dem, daß sie mit Nicht-Orthodoxen sprechen und diesen den Reichtum und die Wahrheit des orthodoxen Glaubens darlegen. Sie sprechen geringschätzig über jeden Versuch der Versöhnung zwischen den getrennten Christen und der Wiederherstellung ihrer Einheit, indem sie dies als „Panhäresie des Ökumenismus“ verunglimpfen, ohne auch nur ein einziges Argument dafür anführen zu können, dass die orthodoxe Kirche bei ihren Begegnungen mit den Nicht-Orthodoxen die Dogmen der Ökumenischen Konzilien und der Väter unserer Kirche preisgegeben oder verleugnet habe.


Brüder und im Herrn geliebte Kinder,

die Orthodoxie bedarf zu ihrem Schutz weder des Fanatismus noch der Unduldsamkeit. Wer glaubt, dass die Orthodoxie die Wahrheit habe, fürchtet sich nicht vor dem Dialog, denn die Wahrheit wurde noch nie durch den Dialog in Gefahr gebracht. Ganz im Gegenteil: Wenn heute alle versuchen, ihre Differenzen im Dialog zu klären, kann die Orthodoxie ihren Weg nicht mit Unduldsamkeit und Fanatismus gehen. Habt volles Vertrauen in Eure Mutterkirche! Diese hat die Orthodoxie durch die Jahrhunderte hin unverfälscht bewahrt und sie an die anderen Völker weitergegeben. Dieselbe Kirche kämpft auch heute unter widrigen Umständen dafür, die Orthodoxie lebendig und angesehen in der ganzen Welt zu erhalten.

Vom heiligen Zentrum der Orthodoxie, dem historischen Ökumenischen Patriarchat, grüßen wir Euch brüderlich, segnen Euch alle väterlich, Brüder und Kinder im Herrn, und beten darum, dass Ihr gesund und in heiliger Andacht die Zeit der Tugenden und geistlichen Kämpfe der großen vierzigtägigen Fasten besteht und gewürdigt werdet, mit allen frommen und gläubigen orthodoxen Christen in der ganzen Welt die allreinen Leiden und die herrliche Auferstehung Christi, unseres Erlösers, zu verehren.

Herrntag der Orthodoxie 2010

+ Patriarch Bartholomaios von Konstantinopel
Euer aller inständiger Fürbitter bei Gott


+ Konstantinos von Derkoi
+ Evangelos von Perge
+ Kallinikos von Lystra
+ Michail von Austria
+ Alexios von Atlanta
+ Joseph von Proikonnesos
+ Demetrios von Sevasteia
+ Eirenaios von Myriophytos und Peristasis
+ Chrysostomos von Myra
+ Emmanuel von Frankreich
+ Makarios von Gortyne und Arkadia
+ Amphilochios von Neuseeland