Exzellenz, Hochwürdigster Herr Vorsitzender und lieber Bischof von Graz-Seckau, und sehr geehrte Mitglieder des Kuratoriums der Stiftung „Communio et Progressio“,
Sehr geehrte Damen und Herren !
Diese Begegnung mit Ihnen ist die letzte bevor wir in Kürze Wien verlassen und die Rückreise antreten werden, um in den Sitz des Ökumenischen Patriarchates zurückzukehren. Wir haben dieses Treffen mit dem Vorsitzenden und den Mitgliedern des Kuratoriums der Stiftung „Communio et Progressio“ am Ende unseres Aufenthaltes in Wien angesetzt, weil wir diesen Besuch, den wir Ihrer Einladung verdanken, mit Ihnen abschließen wollen.
Als Ökumenischer Patriarch und im Namen des Ökumenischen Patriarchates wollen wir nn diesem Moment Ihnen Dank und Anerkennung aussprechen. Wir danken aufrichtig, weil Ihre Stiftung durch die Verleihung des Kardinal-König-Preises uns und in unserer Person auch das Ökumenische Patriarchat geehrt hat. Als nunmehriger Inhaber dieses Preises, der den Geist und die Gesinnung der Persönlichkeit des großen und verewigten Kardinals widerspiegelt, fühlen wir uns bestätigt in unserem bescheidenen Beitrag um den Dialog zwischen den christlichen Kirchen, um die Versöhnung zwischen den Konfessionen, Religionen und Kulturen und um die Bewahrung der Schöpfung.
Gleichzeitig wollen wir Ihnen aber auch unsere Anerkennung bezeugen, für Ihre Bereitschaft das geistige Erbe von Kardinal König weiterzutragen und das von ihm in den Herzen der Menschen angezündete „Licht auf den Leuchter zu stellen, damit es allen leuchtet“ (Vgl. Mat. 5,15).
Wir haben viele persönliche Erinnerungen aus unseren Begegnungen mit Kardinal König aus der Zeit seiner Besuche bei uns im Phanar und unserer Teilnahme an Ökumenischen Symposien der von ihm ins Leben gerufenen Stiftung Pro Oriente, die segensreiche ökumenische Pionierarbeit geleistet hat und diese nunmehr sehr erfolgreich fortsetzt.
Das Bewundernswerte bei Kardinal König lag in der Fähigkeit seiner Persönlichkeit die Zeichen der Zeiten in Voraus zu erkennen und sich recht-zeitig auszurüsten, um den zukommenden Phänomenen und Gegebenheiten entgegentreten zu können. Das ist geschehen mit seiner bahnbrechenden Einstellung zur christlichen Ökumene lange vor dem Ende des II. Vatikani-schen Konzils und mit seinem Aufruf und Einsatz für den Dialog der Kirche mit dem Islam und dem Judentum, sowie für die Versöhnung mit und zwischen Menschen mit verschiedenen ideologischen Ansichten und fremden Kulturen.
Wir danken Gott dem Allmächtigen für seine Pionierleistungen und für alles Gute was wir durch ihn erfahren durften. Möge der Herr über Leben und Tod seine Seele mit den Gerechten ruhen lassen.
Exzellenz, sehr geehrte Dame und Herren !
Ihre Stiftung trägt den vielversprechenden Namen „Communio et Progressio“. Beides, Gemeinschaft als Koinonia und Fortschritt, hat Kardinal König charakterisiert. Er hat die Koinonia in all ihrer Vielfalt gesucht und praktiziert und der Fortschritt war für ihn nicht nur Konsequenz, sondern vielmehr eine Notwendigkeit. Koinonia und Fortschritt haben ihn immer beschäftigt, besonders auf der Suche nach einer Antwort auf die ewigen Fragen des Menschen, woher komme ich, wohin gehe ich, was ist der Sinn meines Lebens? Diese Fragen beschäftigten ständig den Kardinal, der an die unendliche Menschenliebe und Barmherzigkeit Gottes glaubte und so den Menschen, umgeben vom Licht der Auferstehung, in den Mittelpunkt seines bischöflichen und hirtenamtlichen Wirkens stellte. Dafür zitierte er immer wieder den großen gemeinsamen Kirchenvater und unseren vor 1600 Jahren entschlafenen Vorgänger auf den Ökumenischen Thron, den Hl. Johannes Chrysostomos, der, wie man über ihn sagt, „ejqeolovghsen ajnqrwpologhvsaß„ d.h. er hat theologisiert indem er über den Menschen sprach.
In diesem Sinne ersuchen wir Sie weiterhin würdige Träger des geistigen und spirituellen Erbes von Kardinal König zu bleiben und mit Paulus sagen wir Ihnen „löscht den Geist nicht aus“ (1 Thes. 5,15). Wir wissen, daß Sie alle große Verantwortung tragen und der Gesellschaft und der Kirche in verschiedenen Funktionen und in verschiedenen Perspektiven dienen. Wir wünschen ihnen, daß der Geist, das Vorbild und das Beispiel des Kardinals Sie stets inspiriere, begleite und stärke.
Wir danken Ihnen nochmals für die Verleihung des Kardinal-König-Preises an unsere Wenigkeit und für die zahlreichen Zeichen der Verbunden-heit zum Ökumenischen Patriarchat. Es wird uns aufrichtig freuen, wenn Eure Exzellenz sowie der eine oder andere aus diesem auserwählten Kreis uns und das Ökumenische Patriarchat besuchen würde. Wir erwarten Sie mit Freude und mit besonderer Wertschätzung.
„Die Gnade Jesu, Christi, unseres Herrn, sei mit euch allen. Amen“ (Röm. 16.20). |