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DES ÖKUMENISCHEN PATRIARCHEN
BARTHOLOMAIOS
WÄHREND DES VOM ÖKUMENISCHEN PATRIARCHAT
DEN TEILNEHMERN DER INTERORTHODOXEN TAGUNG
AUS ANLASS DES 1700EN JUBILÄUMS
DER PROKLAMATION DES EDIKTS VON MAILAND
AUSGERICHTETEN MAHLS
(19. Mai 2013)

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Ehrwürdige und geliebte heilige Brüder und Repräsentanten der lokalen orthodoxen Kirchen,
Exzellenzen,
liebe und erlesene Mahlgenossen,

Christus ist auferstanden!

Da wir heute den dritten Herrntag nach dem Pascha, das Fest der heiligen Myrophoren, der salbentragenden Frauen, und das Gedächtnis Josefs von Arimathäa, der ein geheimer Jünger Jesu war, sowie das des Nikodemus, des „nächtlichen“ Jüngers, feiern, verherrlichen und verehren wir mit diesen den heiligen Herrn Jesus, den allein Sündelosen, den von den Toten Auferstandenen.

Nachdem wir in der Göttlichen Liturgie während der Konzelebration am heiligen Altar unseren Teil des ehrwürdigen Leibes und des Leben schenkenden Blutes des Herrn empfangen und aus der wunderwirkenden Quelle getrunken haben, haben wir jetzt die Freude, versammelt um diese klösterliche Tafel, auch den Segen der materiellen Güter Gottes zu genießen.

Wir sind froh und freuen uns maßlos und aufrichtig, weil wir uns dessen bewusst sind, dass Euer aller Anwesenheit in diesen österlichen Tagen, die Anwesenheit der Repräsentanten der lokalen heiligen orthodoxen Kirchen Gottes diesem 1700en Jahrestag der Proklamation des Edikts von Mailand und zugleich dem Gedächtnis des heiligen Kaisers Konstantins des Großen, dessen Todesort zu besuchen wir gestern die Möglichkeit hatten, eine große Ehre erweist. Gestern haben wir auch der Heiligkeit und der Gabe des großen Kaisers an die Welt gedacht und seine Mittlerschaft bei dem Herrn angerufen, damit die Freiheit, die unser Herr Jesus verheißen und die der Große unter den Kaisern – von Gott bewogen -  proklamiert hat, in Taten und Worten, in Praxis und Theorie das Fundament und den Schild für jeden Menschen bilden, der den Herrn sucht, weil er sein Jünger ist, sei er ein geheimer oder ein öffentlicher.

Ihr habt, heilige Brüder, durch Eure Anwesenheit hier und durch Euren freimütigen Umgang mit uns in evangelischer Einfalt und ungekünstelter Vornehmheit und Bruderliebe unser Herz berührt, so dass auch wir gemeinsam als eine einzige  orthodoxe Kirche die Verkündigung des Evangeliums empfangen – wie eine andere Myrophore, die unablässig in der Welt trauert und zugleich im göttlichen Licht darüber frohlockt, dass Christus auferstanden ist und die Unterwelt ihrer Toten beraubt hat.

Das Gedenken und die Erinnerung an dieses für die Geschichte der Kirche Christi, aber auch der ganzen Welt, so bedeutende Ereignis des Erlasses des Dekretes, dem diese schon erfolgte Tagung und die übrigen sich anschließenden Veranstaltungen dienen, diese Feier des Gedenkens gibt uns Mut, Hoffnung und das sichere Gefühl, dass wir auf unserem Weg nicht allein sind. Und das in Tagen, in denen die Menschheit mit zahlreichen Problemen konfrontiert ist und die Kirche es sich nicht leisten darf, sich „viele Sorgen zu machen“, es sei denn um die „Not der Heiligen“, des Mitmenschen also.

Während wir bisweilen glauben, es sei – nach menschlichem Ermessen – unmöglich, die alltäglichen Schwierigkeiten und Probleme zu überwinden – wie es ja gewiss auch Konstantin d. Gr. schwierig erschienen sein mag, seine Gegner, die Feinde des Herrn und seiner Kirche, zu besiegen, so ist doch die Kraft des ehrwürdigen Kreuzes diejenige Kraft, die letztlich über alles obsiegt. Die Kraft dessen, der für den Menschen gelitten hat, die Kraft des gekreuzigten, begrabenen und auferstandenen Herrn schenkt uns stets den Sieg und entreißt diejenigen allen Schwierigkeiten, die dem Wort dessen, der „die Wahrheit ist“, unbeirrt und beständig folgen. 

Es ist empirisch erwiesen, dass Konstantin der Grosse den Weg der Menschheitsgeschichte entscheidend beeinflusst hat. Dabei ist es tatsächlich das Kreuz des Herrn, von dem diese Wirkung ausgeht - das ehrwürdige Holz, der sicherste Zufluchtsort, das Frieden stiftende Instrument, das Himmel und Erde miteinander verbindet, der Schmuck, der Ruhm und die Herrlichkeit der Kirche, auf das wir hoffen und vertrauen.

Als Menschen, als Individuen und als Kollektiv, als Gemeinschaften, als Nationen, als Völker, als Kirchen entwerfen, planen und urteilen wir menschlich mit der Angst von Gethsemani, mit dem Schrecken und der Furchtsamkeit der Jünger und der Myrophoren und sehen den nicht, der durch sein Kreuz unsichtbar gegenwärtig ist und regiert. Gerade darum werden wir so oft entmutigt.
Wir sind zuversichtlich, obwohl wir mit vielfältigen Schwierigkeiten konfrontiert sind. Wir sind zuversichtlich, denn Christus hat die Welt besiegt, den Tod im Tod zertreten.

Einst erstrahlte das Zeichen des ehrwürdigen Kreuzes am römischen Himmel und verwandelte das Alte Rom in das Neue. Seitdem ist es unser Leuchtturm und unser Wegweiser. Seitdem leuchtet das Zeichen des ehrwürdigen Kreuzes, selbst wenn wir es mit unseren irdenen, von Leidenschaften verfinsterten Augen nicht erkennen, weil wir auf die „vergängliche Herrlichkeit“ aus sind.

Und wenn das uns heute beherbergende Neue Rom sich in den Augen einiger von demjenigen zu unterscheiden scheint, das der fromme Kaiser vor Augen hatte, so glauben wir doch, das wir noch ein anderes, mächtigeres, größeres Rom haben: „Denn der Herr, ihr Gott, der Herrscher über die ganze Schöpfung, ist ihr Tempel, er und das Lamm. Die Stadt braucht weder Sonne noch Mond, die ihr leuchten. Denn die Herrlichkeit Gottes erleuchtet sie, und ihre Leuchte ist das Lamm.“ (Offb 21,23 f.) Auf dieses Rom gehen wir alle zu, um unseren Vorgängern zu begegnen und Rechenschaft zu geben vor dem, der Herzen und Nieren prüft, vor dem Herrn, vor dem nichts verborgen ist, selbst wenn wir es wollten.

Es ist sicher nicht zufällig, dass sich in der orthodoxen Ikonographie zwischen dem Kaiser und der Kaiserin, zwischen Konstantin und Helena, das ehrwürdige Kreuz erhebt. Auch das ist eine beständige Ermahnung - „In ihm sollst Du siegen“ - damit wir ebenso wie die selige Helena gewürdigt werden, das unter der Erde verlorene ehrwürdige Holz zu finden, aber auch das Leben selbst – und dass wir gewürdigt werden, mit allen Heiligen, die (dem Herrn) von Anbeginn der Welt wohlgefallen haben, den Vorvätern, Vätern, Patriarchen, Propheten, Aposteln, Verkündern, Evangelisten, Martyrern, Bekennern, Asketen und jedem gerechten, im Glauben vollendeten Geist“ (Anaphora der Basiliusliturgie), mit den auf dem Friedhof dieses heiligen Klosters Ruhenden und allen im ganzen Herrschaftsbereich des Herrn Entschlafenen  „die Auferstehung zu erlangen“.

Die seit der Zeit des Erlasses des Ediktes von Mailand bis heute währende gemeinsame Wanderschaft unserer heiligen Ortskirchen, einer Wanderschaft in der Kraft des Kreuzes und in der Auferstehung, erweist die Wahrheit des fortwährenden und bis zum Ende der Welt nicht aufhörenden Weges: „Geht und lehrt alle Völker“ (Mt 28,19). Sie verpflichtet uns andererseits auch dazu, den gemeinsamen, einträchtigen Wandel auch in Zukunft mit aller Kraft zu bewahren, denn in der Einheit liegt die Kraft.

Die Intervention Konstantins d. Gr. als eines Interpreten des Göttlichen Willens in die Weltgeschichte hat uns den großen Segen geschenkt, den Urheber unseres Heils in Freiheit anbeten und die Wege seiner heiligen Gebote in Freiheit gehen zu können – so wie es auch vor uns die heiligen Apostel, Martyrer, Hierarchen, Väter, Gerechten, Mönche und alle Heiligen aller Jahrhunderte, die den guten Kampf vollendet und den Glauben unverfälscht bis ihrem Ende bewahrten, getan haben.

In der Herabkunft des Heiligen Geistes, der, als er auf die heiligen Jünger und Apostel herabkam, „die Sprachen verwirrte“ und „die Völker voneinander trennte“, begann die in der Welt streitende Kirche ihre Wirksamkeit. Durch Konstantin d. Gr. begann sie, das Leben der Völker und Nationen durch ihr heiligendes Handeln noch tiefer zu beeinflussen und alle und alles „zur Einheit zu rufen“, auf dass „der Heilige Geist durch die Übereinstimmung verherrlicht“ werde, der eine Gott über alle und Gott in allen.

Geliebte Brüder,

mit Euch allen richten wir endlich das Bittgebet der beiden Jünger Lukas und Kleopas an den sie begleitenden auferstandenen Herrn, dass er stets bei uns bleibe, „denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneigt“ (Lk 24,29), und das in der steten Gewärtigung der Wahrheit der Worte: „Sieh doch, was ist so schön und angenehm, wie wenn Brüder zusammen wohnen?“ (Psalm 132,1 LXX)

In dieser Gemeinschaft, kurz bevor wir uns voneinander trennen, damit jeder sich zu dem aufmachen kann, „zu dem er bestellt ist“, bewahren wir die Hoffnung und das Andenken an die gegenwärtige Zusammenkunft – und halten daran fest. Eine Zusammenkunft, deren Gastgeber und Wirt kraft des ehrwürdigen Kreuzes der gottgekrönte Kaiser Konstantin, deren Herrin und Gebieterin die wundertätige lebenspendende Quelle und deren Zuflucht, Weg und Wahrheit, Licht und Friede und Auferstehung das Land der Lebenden, der Herr der Herrlichkeit, des Mitleids und des Erbarmens waren.
 
Auf Eure Gesundheit, Brüder, Väter und Kinder!