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SEINER ALLHEILIGKEIT
DES ÖKUMENISCHEN PATRIARCHEN
BARTHOLOMAIOS
ZUR ERÖFFNUNG DER TAGUNG ZUM
1700-JÄHRIGEN JUBILÄUM
DES EDIKTS VON MAILAND
(17. Mai 2013)

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«Seht doch, wie gut und schön ist es, wenn Brüder miteinander in Eintracht wohnen.» (Ps 133 LXX) und dies im auferstandenen Christus.

Dies wiederholen im Namen des auferstandenen Herrn auch wir, liebe und verehrte Mitbrüder im geistlichen Amt, welche die heiligen orthodoxen Ortskirchen des gesamten Erdkreises und die übrigen Kirchen vertreten, hochverehrte übrige Teilnehmer unserer Tagung, heute, da wir die Freude haben, Sie hier in unserer Stadt zu begrüßen, an den Stätten der Gnade und der Geschichte, der Wahrheit des Glaubens und des gelebten Wunders an diesem Ort der Heiligung und der Herrlichkeit des Herrn, der gelitten hat, gekreuzigt wurde und von den Toten auferstanden ist um unseres Heiles willen.

Die Tagung, deren Arbeiten wir nun in Christus und in Seinem Namen heute eröffnen, bedeutet das Aufschlagen einer neuen Seite, nicht nur eine Niederschrift, wie sie alltäglich vorkommt, sondern eine neue Realität. Die meisten behaupten heutzutage, dass Geschichte dort stattfinde, wo die Seiten des Alltags und der Niederschrift der Ereignisse geschehe.

Wir aber schreiben seit Christus, durch den und aus dem und für den alles geworden ist, in Zeiten der Verfolgungen der Wahrheit und in Betrübnissen, bis zu Konstantin dem Großen vor 1700 Jahren, als das bekannte «Dekret von Mailand» erlassen wurde, das der Kirche die Freiheit schenkte, den Herrn zu verehren und öffentlich den Glauben an Ihn, den einzig wahren Gott und Heiland, zu bekennen, in unterschiedlichen Zeiten und Epochen «vielfach und auf vielerlei Weise» an der Seite der Präsenz Gottes in der weltweiten Arena weiter. Diese Seite ist immer von der Freiheit des Menschen abhängig, wird aber letztendlich vom Herrn, der über lebende und Tote herrscht, geschrieben.

Wir preisen den auferstandenen Christus und danken Ihnen allen und den Kirchen, welche Sie entsandt haben, sowie den verehrten Mitbrüdern, welche die Vorsteher dieser Kirchen sind, für die Teilnahme an dieser Veranstaltung, welche dem gottgekrönten Kaiser Konstantin die Ehre erweisen soll, der als einer von Wenigen als Großer gilt: «wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein» (vgl. Mt 20,26-27), wie es im Evangelium heißt, da er als erster der Kirche und dem Menschen die Freiheit gewährte und somit die grausamen Verfolgungen gegen sie beendete, und bekennen, dass diese Seite seit damals bis heute voller bitterer Erfahrungen und Ereignisse ist, die zwar dem Vergessen anheimgegeben wurden, so dass nur das Leidensgedächtnis an sie geblieben ist. Diese erfahrene Seite trägt gleichzeitig auf ihrem Gewand und auf ihrer Hüfte den Namen: «König der Könige und Herr der Herren» (Offb 19,16), der «alles neu macht» (Offb 21,5).

Das gefeierte und geehrte Jubiläum stellt einen Anlass dar, die Ereignisse zusammenzufassen, um über die heutige Welt nachzudenken und zu debattieren, 1700 Jahre nachdem der gottesfürchtige Kaiser praktisch und gesetzgeberisch die Grundprinzipien hervorbrachte, auf denen bis heute die christlichen Gesellschaften basieren, und darüber hinaus entsprechend auch die ganze Welt.

Heutzutage konstatieren wir, dass die unterschiedlichen Staaten und Nationen einander nachahmen, insbesondere in dieser Ära der sogenannten «Globalisierung», in der die Geschwindigkeit und das Ausmaß der Information und der Desinformation der Wahrheit und der Halbwahrheit bis hin zur Verfälschung der Ereignisse zu billigem und vergänglichem «Nutzen und der maßlosen Verleumdung von Personen und Situationen, und die Gerechtigkeit und das Unrecht «in einem Augenblick» den gesamten Erdkreis umrunden, und stellen fest, dass die Tendenz vorhanden ist, dass alles nur noch von einem immer weltlicher gewordenen Geist geleitet wird.

Zu unserem Leidwesen konstatieren wir heutigen Menschen und sogar die «durch heilige Berufung Berufenen» eine andere Realität, anstatt des erwarteten und sicherlich erwünschten «unerklärlichen Wandels». Noch konkreter: die Traditionen werden nach und nach aufgegeben, der Glaube wird als Privatsache angesehen und zunehmend an den Rand der Gesellschaft gedrängt, die Ideale und Werte, jene Kräfte also, welche die Nationen im Ablauf der Jahrhunderte zusammenhalten und bewahren, werden verachtet, die Erziehung wird angegriffen, sie wird entchristlicht und verweltlicht, die Gesetzgebung entfernt sich von jenen christlichen Prinzipien, die stets, und zwar seit der Zeit Konstantins des Großen die theoretische Grundlage der Gesetzgebung bildeten, die Sünde wird nicht mehr als «Übel» betrachtet und trägt den Mantel der Diversität, d.h. der einfach diversifizierten persönlichen Auswahl des Einzelnen, die Unmoral geht einher mit und wird verschleiert von dem verachtenden und einen Vorwand bietenden Komplex – so muss man es nennen – der menschlichen Schwäche, die Moral des Herrn Jesus wird an den Rand gedrängt, und man kennt das «Kyrie eleison» nicht mehr, das also, was den Inhalt des Glaubens und des Lebens darstellt.

Trotz dieses enttäuschenden Weges der Menschheit, welche von Tag zu Tag deutlicher in der säkularen sogenannten westlichen «Welt» und Zivilisation offenbar wird, ist doch im Innersten und im Herzen dieser westlichen Welt, in ihrer Zusammensetzung und ihrer Struktur, in ihrer Verwaltung und Gesetzgebung, in ihrer Kunst und in ihrem Wertesystem das Ethos und der Geist der Kirche bewahrt, das Ethos und der Geist des heiligen Kaisers Konstantin des Großen, das Ethos und der Geist des Wortes des Evangeliums. Was es heutzutage an Gutem und Gerechtem in den immer säkularisierteren Staaten und Gesellschaften gibt, stammt aus dem Evangelium und der Kirche.

Die grundlegenden Menschenrechte, für die angeblich Völker, Nationen, Gesellschaften, Menschen, alle Brüder und Schwestern eintreten und die vielfach unglücklicherweise durch die nicht biblische und antichristliche Verstrickung eines «Auge um Auge und Zahn um Zahn» erfahren werden, stellen Werte der Kirche dar, welche der gerechte Herrscher Konstantin der Große in die Verwaltung und die Struktur seines Staates implementierte, da er spürte und voraussah, dass dieser nur auf diese Weise aufblühen und in Frieden zusammengehalten werden könne. Diese gleichen Werte übernahm im Grunde auch die heutige Welt, wobei lediglich die Überschriften gewechselt wurden und «der Mensch» heutzutage auch offiziell proklamiert, «dass er nicht an Gott glaube» und «dass die Ära des Christentums vorbei sei».

Trotz dieser «Parolen» ist das Christentum, die Wahrheit also, nicht nur nicht vergangen, sondern wächst, gedeiht und reift, so dass täglich das Wort des Paulus bestätigt wird: «Wo die Sünde mächtig wurde, da ist die Gnade übergroß geworden. Denn wie die Sünde herrschte und zum Tod führte, so soll auch die Gnade herrschen und durch Gerechtigkeit zu ewigem Leben führen, durch Jesus Christus, unseren Herrn» (Röm 5,20,21).
 
Die heutigen staatlichen Institutionen sind trotz ihrer häufig gefährlichen Reformen, die manchmal die Grundlagen der Gesellschaft selbst zerstören können, etwa durch den zu beobachtenden Mangel an Respekt vor der heiligen Institution der Familie oder die rechtliche Anerkennung und Sanktionierung schwerer und tödlicher Sünden und unnatürlicher Zustände (vgl. Röm 1,25-32), diese Institutionen also sind zutiefst beeinflusst vom Evangelium Jesu Christi und getränkt vom Blut der Märtyrer der Kirche.

Konstantin der Große hat dem Staat die Farben Christi verliehen, damit diese im Lauf der Jahrhunderte nicht verblassen können. Haben wir uns aber je gefragt warum?

Wir richten und werden gerichtet und vergessen dabei das Wort des Herrn «Richtet nicht, auf dass ihr nicht gerichtet werdet.» In unserer menschlichen Armseligkeit denken wir, dass alles kommt und vergeht und vergessen wird, und beachten dabei nicht, dass der Herr «alles sieht» und «Herz und Nieren prüft». «Eitel sind alle menschlichen Dinge» (Johannes von Damaskus) und wahrlich ist «die vorhandene Zierde... wie das Fließen eines Flusses, wie Schatten, wie Rauch, wie ein Traum und wie die Blume des Feldes...» (Hl. Andreas von Kreta) Die Farbe der Wahrheit aber ist «stark wie der Tod». Und diese Farbgebung Christi durch Konstantin den Großen wäre nicht erhalten geblieben, wenn nicht zuvor «in unauslöschlicher Schrift» der heilige Boden seiner Stadt, wie auch des ganzen Erdkreises, durch das Blut der heiligen Märtyrer getränkt worden wäre, der großen und unzähligen Heiligen, von denen die meisten namenlos blieben, «auf den Bergen und in den Höhlen und den Öffnungen der Erde» und unter den Grabplatten der Friedhöfe, jener großen zahlreichen Helden des Glaubens, durch deren Opfer die Kirche wächst, genährt wird, Frieden findet und gefestigt wird.

Das Blut der Märtyrer, das Kreuz und das Opfer, die Verleugnung der Welt und der weltlichen Dinge, die Brüderlichkeit und insbesondere die Freundschaft – «Ich habe euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe» (Joh 15,16) - die Liebe, «welche die Furcht vertreibt», jede Furcht und insbesondere die Todesfurcht, haben der Kirche Frieden gebracht, der de iure und de facto dann durch das im heutigen Jubiläum gefeierte Dekret von Mailand geschenkt wurde. Die Leiden der heiligen Märtyrer und der ungerecht Verfolgten im Laufe der Jahrhunderte bis heute, welche als Vorbild das Martyrium unseres Herrn Jesus hatte, der nach Auffassung vieler ein «mit Balsam gesalbter » (Toter) war, der für uns gelitten hat, «damit wir seinen Spuren folgen» (vgl. 1 Petr 2,21), sie verliehen und verleihen bis heute der Kirche die Versöhnung, das Heil, die Befriedung, nach den ersten drei Jahrhunderten der schrecklichen Verfolgungen.

«Unwiderruflich sind Gnade und Berufung, die Gott gewährt» (Röm 11,29-30).

Unsere Orthodoxe Kirche wird durch das Leiden vervollkommnet, durch das Martyrium ihrer Kinder, die nur so die Aufrichtigkeit ihrer Liebe zu Gott beweisen. Erst kommt also das Blut der Märtyrer und dann folgt die Freiheit der Religionsausübung, die Konstantin der Große ausgerufen hat. Erst kommen die Leiden der heiligen Apostel und dann folgen die von den Kaisern gewährten Rechte. Erst kommen die Freudentränen der heiligen salbentragenden Frauen, der Myrophoren, die wir feiern, und dann das «Schwärmen» der Auferstehung. Der Herr ruft den Völkerapostel Paulus und zeigt ihm «wie viel er für Seinen Namen leiden muss» (vgl. Apg 9, 16), den Heiligen Konstantin aber beruft er durch das siegtragende und leuchtende Zeichen des ehrwürdigen Kreuzes.

Wahrlich «sah das Zeichen des Kreuzes am Himmel und empfing wie Paulus seine Berufung nicht von den Menschen der Apostel des Herrn unter den Kaisern»

Konstantin der Große. Dieser sah am «italischen» Himmel das Leuchten des Kreuzes und wandelte sich. Und gleichzeitig wandelte sich das ganze Leben seines Kaiserreiches und im Laufe der Zeiten das der ganzen Menschheit. Die Vision und gleichzeitige Realität des ständig präsenten Zeichens des Kreuzes, zugleich schweigend und schreiend, entspricht jener des Völkerapostels Pauls, der nach Damaskus unterwegs ist «um die Anhänger des (neuen) Weges, Männer und Frauen, die er dort finde, zu fesseln und nach Jerusalem zu bringen» (Apg 9, 2-3). «Verfolgen» nicht wir auch bis heute jene, die einfach anderer Meinung sind als wir und duldsam leiden, und wollen wir sie nicht ans Kreuz «fesseln», nicht an jenes des Gottmenschen Christus, was sicher für ihr und unser eigenes Heil wünschens- und erstrebenswert wäre, sondern vielmehr an das Kreuz unserer menschlichen Schwäche und Bosheit?

Saulus, der Verfolger wurde zum an Eifer alle übertreffenden Jünger Christi und veränderte durch seine Verkündigung den Erdkreis. Kaiser Konstantin wurde durch seine Schau des Zeichens des Ehrwürdigen Kreuzes am helllichten Tage zum Neugestalter des Erdkreises. Er beendete nicht nur die ungerechten Verfolgungen der Kirche und des Ebenbilds Gottes, des Menschen, sondern er schaffte es auch, durch sein Wirken die christlichen Dogmen und Weisungen des Evangeliums in die Weltanschauung und das Leben des damaligen Kaiserreiches und der damaligen Welt einfließen zu lassen; ihm gelang damit ein tiefer Einschnitt in der Weltgeschichte, ohne dass er dies wollte oder angestrebt hätte. Er empfängt seine Berufung nicht von den Menschen und wird zum Apostel unter den Kaisern. Welch Oxymoron! Ein Geschenk Gottes! Auftrag und Weg!

Wir Menschen fordern, um zu glauben, stets «ein Zeichen» (Mt 16,4). Und wir vergessen, dass uns kein anderes gegeben werden wird als das Zeichen des Propheten Jona, der drei Tage im Bauch des Wales überlebt hat und so zum Zeugen der Auferstehung wurde. Dieses Zeichen, das heller als die Sonne erstrahlt, sehen und feiern wir. Und wir vergessen nicht, dieses Zeichen wird, wie jedes Zeichen, gegeben und empfangen, es ist nicht im Voraus planbar, es ist Berufung und Geschenk und Gnade und Erbarmen und Sendung und ständiger Weg.

Durch Konstantin den Großen und sein für die damalige Zeit radikales Wirken trat Gott, der Herrscher, ins Herz des weltlichen Staates ein und verlieh diesem, der zuvor verdorben und verwest war, Leben. Und es erwies sich bei den Verfolgern: «Sie verfielen in ihrem Denken der Nichtigkeit, und ihr unverständiges Herz wurde verfinstert. Sie behaupteten, weise zu sein, und wurden zu Toren. Sie vertauschten die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes mit Bildern, die einen vergänglichen Menschen darstellen» (Röm 1,21-24). Und es erwies sich schließlich, dass nur der Herr «die Toten lebendig macht und das, was nicht ist, ins Dasein ruft» (Röm 4,17).
Es ist bezeichnend für den zuvor existierenden und herrschenden Zerfall, dass der weltliche Staat «als Augustus auf Erden Herrscher war» das Jesuskind mit der Tötung tausender unschuldiger Kinder empfing.

Und obwohl seitdem, seit der Menschwerdung des Herrn «die Verirrung aufhörte» und die Gnade Gottes und die Liebe Gottes und die Gerechtigkeit Gottes herrschen, kann doch nicht mit vollkommener Sicherheit gesagt werden, dass alle Dinge unter dem Himmel, trotz aller Fortschritte der Menschheit, sich verbessert hätten. Auch heute noch, zweitausend Jahre nach der Menschwerdung Christi und dem blutigen Mord des sich damals als Weltenherrscher bezeichnenden Herodes ist der Mord an tausenden (ungeborenen) Kindern in den meisten «christlichen» Ländern legal.

Konstantin der Große «erlangte durch seine Ausdauer das Verheißene» (vgl. Hebr 6,15-16) gleich dem Patriarchen Abraham. Die Neros und die Diokletiane und die Herodesse sowie die «Weltenherrscher» aller Zeiten, die «sich in Ruhm und Purpur kleideten» wie der «Reiche» im Evangelium, vergessen und verfolgen, sie weisen keine Geduld auf und «ermorden» letztendlich erbarmungslos den «armen» Lazarus, der hungert und sich von den Brosamen ernährt, die vom Tische fallen, wie die Ikone, die in der Verkündigungskirche von Tatavla in unserer Stadt aufbewahrt wird, so schön darstellt. Deshalb haben sie auch das Verheissene nicht erlangt. Das Verheissene erlangen jene, «denen es gegeben wird», die nicht «die Wahrheit durch Ungerechtigkeit niederhalten» (vgl. Röm 1,19).

Kaiser Konstantin lehnte die «Privilegien» der Gottgleichheit ab, welche ihm sein Amt und die Weltanschauung jener Zeit verliehen. Er gewann aber den Einen und ererbte das Reich der Himmel.

Liebe Geschwister und Väter,

wir befinden uns in der Stadt Konstantins. Und vielleicht stellen wir uns die Frage und zwar zu Recht: «In welchem Zustand befindet sich jetzt die christlichste aller Städte, die Konstantin der Große wiederbegründete und mit seinem Namen ehrte?» Diesen trügerischen und schädlichen Gedanken und derartige Erwägungen straft die heute aufgeschlagene Seite und das Zeichen der 1700-Jahrfeier Lügen! Und das Zeichen besteht darin, dass die Kirche die Welt durch das Kreuz weiterführt, dass der Glaube nicht ein soziales Phänomen oder ein simple Weltanschauung ist: Er ist die heiligende Gnade dessen, der ewig und lautlos bei uns ist und mit uns daherzieht: als «Feuer», als «sanfter Hauch», als «Unbekannter unter Unbekannten», wir würden sagen: auch unter Bekannten, unter «jenen, die Seinen Willen tun» aber auch unter jenen, die «Seine Weisungen verwerfen» oder wie es ihm wohlgefällt, bei den «von Furcht erfüllten» Jüngern im Obergemach vom Berg Zion, bei den Menschen aller Zeiten und Zeitalter, die ewige Gnade des Auferstandenen Herrn, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

«Und die Christen werden von der Welt gleichsam in Gewahrsam gehalten, aber gerade sie halten die Welt zusammen» (Diognetbrief PG 2,1176C). Deshalb lassen wir als Christen nicht nach, wir verzweifeln nicht. Wir wissen, dass wir als Menschen unser Ziel aus den Augen verlieren in den Krisen, in unseren Gedanken, unseren Plänen, unseren Weltanschauungen, unserer Gesinnung. Die Kirche aber verliert ihr Ziel nicht aus den Augen, sie schafft sich nicht ab, selbst wenn die christlichen Staaten aufhören zu existieren, selbst wenn sie «in Gefangenschaft» lebt und wirkt, manchmal sogar in harter Gefangenschaft, und wenn sie, menschlich gesprochen, bekämpft wird. Die Kirche befindet sich in der Welt, sie dient der Welt, sie wird nicht von der Welt beherrscht, deshalb kann «das Böse» sie nicht berühren. Der Geist besiegt das Fleisch. Christus herrscht in Ewigkeit. Alles überwindet Er.

Aus dem gefühlten Erleben der Kraft der Kirche sind wir berufen, das tugendhafte Handeln des Kaisers, Apostelgleichen und Heiligen Konstantins nachzuahmen, damit auch wir Spuren und eine gute Erinnerung hinterlassen und unsere Werke uns vorneweg voranschreiten zum Herrn an jenem «großen und furchterregenden Tag», der bereits jetzt beginnt, mit unserem Tod endet und vollendet werden wird durch den Ruf unseres Herrn: «Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, nehmt das Reich in Besitz, das für euch bestimmt ist» (Mt 25,34).

Nach dem unerforschlichen Ratschluss des Herrn wurden wir gewürdigt, «Arbeiter in Seinem Weinberg» und Nachfolger des Werks der Apostel und der Bischöfe zu sein. So rufen wir stets im Namen dieses Herrn, ohne menschliche Planungen, die «täglich zunichte gemacht werden» zur Umwandlung und Neugestaltung der Gesellschaft auf, der «kleinen» oder «großen» Herde, damit wir uns wandeln und als Söhne und Töchter des Lichts erweisen mögen.

Es stimmt, dass unsere heutigen gesellschaftlichen Strukturen, was nicht sein sollte, auch uns, die Hirten der Herde Christi, die wir uns innerhalb seines göttlichen Umkreises befinden, enttäuscht werden lassen über die Situation, in der sich die Welt befindet, da sie sich von den «Quellen des Heils» entfernt hat. Die Liebeskraft unserer Seelen nimmt dann ab und unsere vollständige Hinwendung der Seele und des Geistes zur Liebe Christi wird geschwächt.

Dennoch glauben wir, dass die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes des Vaters und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes uns nie verlassen. Der Herr wirkt in unserem Leben mystisch und tief, er heiligt und wandelt uns auf unsichtbare Weise.

Mit diesen Gedanken eröffnen wir die Arbeiten unserer Tagung und beten zum Herrn, dass er uns allen und unseren Kirchen und der ganzen Welt «Zeichen des Guten» schenke, auf dass wir entsprechende neue Seiten des Dienstes schreiben können, damit auf die Fürbitten der Herrin der Engel, der Märtyrer und der in der Tat wenigen «Großen» unseres Glaubens und der Geschichte, wie dies Konstantin der Große und Basilius der Große sind, das Werk der Kirche wachse und geehrt werde und der Herr gepriesen werde, der uns Auferstehung und Leben verkündet. Amen.