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Hirtenbrief zum Beginn des Kirchenjahres.

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Protokoll-Nr. 862


+ Bartholomaios
durch Gottes Erbarmen Erzbischof von Konstantinopel, dem Neuen Rom,
und Ökumenischer Patriarch dem ganzen Volk der Kirche
Gnade und Friede von dem Schöpfer der ganzen Schöpfung,
unserem Herrn, Gott und Erlöser Jesus Christus


Im Herrn geliebte Kinder,

zu Beginn des neuen Jahres der Kirche denken wir wiederum an den Zustand der Schöpfung Gottes. Wir überdenken die Vergangenheit und bereuen was wir getan oder was wir aus Sorge für die Erde zu tun versäumt haben. Wir betrachten die Zukunft und beten, uns möge Weisheit gegeben werden, daß sie uns leite in unserem Denken und Handeln.

Die letzten zwölf Monate waren eine Zeit großer Ungewissheit für die ganze Welt. Die finanzwirtschaftlichen Systeme, denen viele Menschen so sehr vertraut haben, daß sie ihnen die Güter des Lebens überlassen haben, haben im Gegenteil Furcht, Ungewissheit und Armut gezeitigt. Die Globalisierung der Wirtschaft hat dazu geführt, daß alle geschädigt werden – sogar die Allerärmsten, die von den gigantischen Investitionen des Welthandels am weitesten entfernt sind.

Die momentane Krise gibt uns Gelegenheit, uns mit den Problemen auf andere Weise auseinanderzusetzen, denn die Methoden, die die Probleme hervorgerufen haben, können nicht zugleich auch deren beste Lösung herbeiführen. In all unsere ökonomischen Beziehungen müssen wir die Liebe einbeziehen, die Liebe, die uns zu Mut und zu Mitleid inspiriert. Menschlicher Fortschritt bedeutet nicht nur Akkumulation von Reichtum und unterschiedslosen Verbrauch der Ressourcen der Erde. Die Auseinandersetzung mit der gegenwärtigen Krise hat die Wertvorstellungen jener wenigen offenbart, die die Geschicke unserer Gesellschaft gestalten. Jener, die Geldsummen mobilisieren können, die jenseits unserer Vorstellungskraft liegen, um das finanzwirtschaftliche System zu stützen, das sie verraten hat. Gleichwohl sind sie nicht geneigt, auch nur den geringsten Teil dieser Summen aufzubringen, um das Elend, in das die Schöpfung um genau dieser Wertvorstellungen willen geraten ist, zu beheben, um die Hungernden dieser Welt zu speisen oder die Versorgung der Dürstenden dieser Welt mit Trinkwasser zu sichern; denn auch alle diese Menschen in Not sind Opfer ebendieser Wertvorstelungen. Im Gesicht eines jeden hungernden Kindes steht die eine Frage an uns geschrieben (und wir dürfen uns nicht abwenden, um uns der Antwort zu verweigern): Warum ist das alles geschehen? Ist das ein Problem menschlichen Unvermögens oder menschlicher Willkür?

Wir haben den Markt zum Zentrum unseres Interesses, unseres Handelns und letztlich unseres Lebens gemacht und dabei vergessen, daß diese unsere Wahl das Leben der kommenden Generationen beeinträchtigen und deren Optionen, die wahrscheinlich mehr am Wohlergehen des Menschen und der Schöpfung orientiert sein werden, drastisch beschränken wird. Unsere menschliche Ökonomie, die uns zu Konsumenten gemacht hat, hinkt. Die göttliche Ökonomie, die uns nach dem Bild des liebenden Schöpfers geschaffen hat, fordert uns auf, die ganze Schöpfung zu lieben und für sie zu sorgen. Das Bild, das wir in uns tragen, widerspiegelt sich in der Art und Weise, in der wir uns der Schöpfung gegenüber verhalten. Wenn wir glauben, wir seien nichts anderes als Konsumenten, so verlegen wir uns auf den Konsum und konsumieren im Gefolge dieser Einschätzung die ganze Erde. Wenn wir dagegen glauben, daß wir geschaffen sind, um Gott ähnlich zu werden, handeln wir mit Vorsicht und Erbarmen und versuchen, das zu werden, auf das hin wir erschaffen sind.

Laßt uns darum beten, daß Gott die Klimakonferenz der Vereinten Nationen in Kopenhagen im Dezember segne, damit die entwickelten Industrieländer mit den unterentwickelten Ländern zusammenarbeiten, um den Schadstoffausstoß zu vermindern; damit sie den Willen haben, das Geld konzentriert und vernünftig zu verwenden, um die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen; und damit alle zusammenarbeiten, um sicherzustellen, daß unsere Kinder die Güter der Erde, die wir ihnen hinterlassen, genießen können. Es muß Gerechtigkeit und Liebe in allen Bereichen ökonomischen Handelns geben. Der Gewinn, vor allem der kurzfristige, kann und darf nicht der einzige Beweggrund unseres Handelns sein.

Laßt uns alle unsere Verpflichtung erneuern, zusammenzuwirken, um jene Veränderungen herbeizuführen, um die wir beten; um alles abzulehnen, was der Schöpfung schadet; um unsere Gesinnung und dementsprechend auch unsere Lebensweise zu verändern.

Die Gnade Gottes, der alles erschafft und für alles Sorge trägt, und unser patriarchales Gebet und unser Segen seien mit Euch allen.       
   



1. September 2009

Bartholomaios von Konstantinopel
In Christus geliebter Bruder
und inständiger Fürbitter bei Gott